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Die Willibrord-Kirche Neetze in Vergangenheit (A), Gegenwart (B) und Zukunft (C)!
(A) „Wie war das?“
„Ja, Sie haben richtig gehört, so war das vor weit über acht Jahrhunderten; da war dieser schier endlose Feldweg von Lüneburg nach Bleckede, ungesichert und halbwegs das kühlende Nass, die Neetze. Da musste einfach eine Kirche hin; noch heute liegt in 1,20 m Tiefe das Fundament aus „Feldsteinen und Findlingen ohne Bindemittel“. Ja, so war das: da gab es in unserer Neetzer Kirche Trauringe, die verliehen wurden, wenn das junge Brautpaar sich keine eigenen leisten konnte, da gab es nach dem Krieg 1945 eine Autofelge als Stundenglocke am Turm, da gab es um 1900 eine himmelhellblaue Kirchendecke, da gab es uralte Malereien auf den Altarflügeln. Vor ca. 100 Jahren wurden sie restlos entfernt und durch eine „sehr unangenehme Dekorationsmalerei“ ersetzt, die ihrerseits 1959 der heutige plattdeutsche Text ablöste. Damals stand übrigens die Landbevölkerung dem Plattdeutschen recht kritisch gegenüber. Ja, ja , so war das und so gibt es noch heute genau 14 Engel am Neetzer Altar, ganz wie in Humperdincks Hänsel und Gretel. Und überhaupt, da gab es schwedische Pferde, die sich 1644 in der Kirche versammeln mussten, da waren Maurer, die Dachziegel in die dicke Kirchenmauer setzten (suchen Sie mal!) und da war ein Pastor von Neetze, der war einer von 9 Söhnen, deren Großvater 13 Kinder mit einer 20 Jahre jüngeren Frau hatte – welch eine Unruh – so war auch sein Name – unerhört!“
(B) „Wo gibt´s denn so was?“
„Sie meinen, ... daß man sich heute zur Begrüßung gegenseitig ansingt? ... daß grauhaarige Damen pubertierenden Jugendlichen heilige Geschichten vorlesen ?
... daß erfolgreiche und angesehene Unternehmer auf die Knie gehen?
... daß Ernst K. und Günther D., die sich einander ums Erbe gebracht haben, miteinander essen und trinken?
... daß der Moderator sich dreimal nacheinander verspricht und keine Regie läßt die Szene schneiden?
... daß ein Instrument von der Größe eines LKWs für dich spielt?
... daß die einen um ihren verstorbenen Vater trauern und zugleich die anderen ihr Neugeborenes segnen und feiern?
... daß man mit geschlossenen Augen sehen kann - nicht nur das Licht in der Finsternis (Joh.1,5), den Frieden auf Erden (Lk.2,14), den österlichen Menschen (2.Kor.5,17), sondern gar von Hoffnung strotzende Geistliche, zum Wohl aller Regierende, wahrheitssuchende Journalisten, nächstenliebende Manager und viele andere Engel?
... daß die selbstbewußte und hartnäckige Frau W. einfach weint?
... dass sich in dieser allseits scheidenden Welt zwei Liebende "Ja!" sagen, vor Gott und aller Welt sich küssen!
... daß du hochkonzentriert über Gott und die Welt nachdenken oder total von allem, selbst von dir abschalten kannst?
...daß man am Ende nicht auf Applaus oder Buh-Ruf wartet, weil man dich von Anfang an dazuzählt,
... daß man im Stillen spricht und einer hört zu - unsichtbar - und doch da?
... daß...,daß...,daß...?
Ja, das gibt es heute in deiner Neetzer Kirche!“
(C) „Das kann doch nicht wahr sein?“
„Doch, liebe Leser/innen, das ist wahr und ich wünsche Ihnen für die Zukunft einen solchen Lebenslauf rund um diese wunderschöne Kirche von Neetze! Einen Kirchenlauf unter Gottes Segen. Nicht also nur ein Leben mit vielen Tagen, sondern Tage voller Leben. Ich wünsche Ihnen uhrlose Zeiten und Sorgen, die schwänzen, bunte Wunschbilder ohne Rahmen und Besuche, die Ihnen blühen, Alltag, der nicht graut und einen Beinbruch, der ins Neetzewasser fällt. Ich wünsche Ihnen in weltlichen Zwängen die Freiheit eines Christenmenschen, im Ernst jeder Lage ein österliches Lächeln. Ja, ich wünsche Ihnen einen Dienstweg mit Grünstreifen und ein Arbeitsplätzchen mit Schokoraspeln,
kleine Knöpfe, die Sie löchern und ein Elefantenversteck im Garteneck. Ich wünsche Ihnen Augenblicke im Licht eines Engels und Farbenspiele des Himmels auf Erden; Schwalben, die hoch fliegen, Katzen, die nicht kratzen, Schnecken außer Häuschen, Wolken, die Sie ziehen und sogar einen Sekt mit echten Perlen. Ich wünsche Ihnen den Mut, Ihren Lebenslauf himmelwärts auszurichten. Denn da fängt am Ende alles erst an!“
Pastor Bernhard Borowski
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