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Nachtwächter war einst ein altehrwürdiger Beruf
Vor vielen Jahren gab es auch in unseren Dörfern Nachtwächter. Sie mussten u. a. über offene Feuerstellen in den mit Stroh bedeckten Häusern wachen und hatten für Sicherheit und Ordnung auf den nächtlichen Straßen zu sorgen. In den Städten gehörten die Nachtwächter sogar einer Gilde an. Sie waren ausgebildet und stimmten oft zur vollen Stunde einen besonderen Gesang an. Auf dem Lande dagegen erfüllten sie still und gewissenhaft ihre Pflicht, nur in Boltersen nicht! Dort war im Jahre 1903 folgendes passiert: Bericht des „ Berittenen Gendarms“ F. aus Lüne vom 15. September 1903 an die Gemeinde Boltersen:
„ Am 13. September um 11 Uhr nachts suchte ich auf der Dorfstraße zu Boltersen den Nachtwächter Wilhelm K. bei seiner Dienstausführung auf, derselbe war aber nicht anzutreffen. Der Unterzeichnete begab sich nach seiner Wohnung. Auf Ausrufen seines Namens erklärte seine Frau, ihr Mann sei im Dorfe. Der Unterzeichnete wartete bis 20 Minuten nach 11 Uhr am Hause, jetzt kam er mit seinem Horn herausgeschossen; wie er den Unterzeichneten bemerkte, machte er kehrt, blieb auf Anrufen auch nicht stehen, sondern versteckte sich in den Gärten....“
Antwortschreiben des Gemeindevorstehers von Boltersen nach der Vernehmung des Nachtwächters:
„ K. behauptet, seine Uhr sei noch vor 11 gewesen. Dass er sich nicht gemeldet hat, wie Herr F. ihn angerufen, erklärt er, es wäre ihm zu übereilt gekommen und bereue jetzt, dass er dasselbe getan hätte.“ Nachtwächter kommen in alter Literatur und klassischen Gedichten vor, so z. B. im Elfenlied von Eduard Mörike
Bei Nacht im Dorf der Wächter rief: „ Elfe“ Ein kleines Elfchen im Walde schlief wohl um die Elfe Und meint, es rief ihn aus dem Tal bei seinem Namen die Nachtigall, oder Silpelit hätt’ ihn gerufen. Reibt sich der Elf die Augen aus, begibt sich vor sein Schneckenhaus....
Aus alten Neetzer Kirchbüchern kann man entnehmen: Am 4. Oktober 1829 heirateten Catharine Dorothea Fink aus Neetze, Haus-Nr. 60 ( heute : Am Katzenberg 11) und Johann Jürgen Christan Baumgarten aus Boltersen.
Ihre Eltern waren: - Johann Christoph Fink, Nachtwächter und Branntweinbrenner, Ehefrau Christina Dorothee, geb. Beusch, Neetze. - Martin Peter Baumgarten, Schullehrer in Boltersen. Ehefrau Anna Catharine, geb. Meyer.
Einer meiner Vorfahren hier Am Katzenberg in Neetze war also ein Nachtwächter.
Darum passte mir das alte Schimpfwort „ Du Nachtwächter“ schon lange nicht, zumal ich als Schuljunge auch noch manchmal so benannt wurde. Dabei habe ich nur ab und an die jeweilige Situation still beobachtet. Auf dem Boden unseres alten Hauses Am Katzenberg habe ich altes Handwerkszeug des Nachtwächters und alte Kerzen- sowie Petroleumlampen entdeckt. Ich gehe davon aus, dass mein Vorfahre, der Nachtwächter hier in Neetze, stets seine Pflicht erfüllte. Über sein Einkommen, welches von der Dorfgemeinschaft aufzubringen war, habe ich keine Angaben mehr gefunden. Ein Nachtwächter musste gute Augen und Ohren haben und von der Abenddämmerung bis zum Morgengrauen arbeiten. Er musste alle Straßen und Wege sowie die Menschen und ihre Haustiere kennen. Ein guter Nachtwächter kannte auch den nächtlichen Sternenhimmel und konnte diesen den Dorfkindern, wenn sie ihn ein Stück begleiteten, erklären.
Am 19. und 20. Februar 2005 um 19 Uhr haben wir einen kleinen Rundgang mit dem Nachtwächter, ohne Straßenbeleuchtung und wie es früher wohl war, vom Katzenberg aus unternommen.
Alle Dorfkinder waren dazu besonders herzlich eingeladen.
R. Baumgarten
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