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Die älteste Geschichte von Neetze reicht weit zurück in die Vergangenheit und kann nicht über die Schriftquellen erschlossen werden. Hier kann nur die Archäologie weiterhelfen. Inzwischen gibt es aus dem Ort und aus der näheren Umgebung auch genug Funde, um die Frühgeschichte etwas näher zu skizzieren. Kernpunkt der Geschichte bilden die weit in die Zeit zurückreichenden Gräberfelder auf dem Uhlenberg, die zeigen, dass Neetzes Umgebung etwas Besonderes gewesen sein muss. Ein Blick auf die Karte zeigt uns auch, warum.
Bei Neetze verlässt der gleichnamige Fluss die höheren Geestböden und tritt in die Elbtalaue ein, vor der Eindeichung im Mittelalter eine Flusslandschaft mit Sanddünen und vermoorten Niederungen neben kleinen verzweigten Flussläufen und Altarmen der Elbe. Auch hier lebten schon seit Urzeiten Menschen, wie Steinbeile aus Neu Neetze oder Rosenthal belegen, aber es war kaum möglich, mit Wagengespannen das Gebiet zu durchfahren. So war der in der Jungsteinzeit einsetzende, überörtliche Transportverkehr gezwungen, auf der höheren Geest parallel zum Elbetal zu bleiben. Die Wege von Scharnebeck über Rullstorf und Boltersen nach Neetze und weiter nach Bleckede sind, nach den archäologischen Funden zu urteilen, schon sehr lange in Benutzung.
Von besonderer Bedeutung sind die Stellen, wo die Flussläufe überwunden werden müssen. Die Brücke in Neetze gibt es noch nicht so lange. Vorher führte der Weg von Boltersen durch den Totengrund ins Neetzetal hinunter. Ungefähr in Höhe des Klärwerkes befand sich eine Furt, wo der Fluss durchfahren werden konnte. Von dort aus ging es dann weiter am Geestrand in Richtung Bleckede. Es ist sicherlich kein Zufall, dass eine der Niedersachsenweit bedeutendsten Anhäufungen von Gräberfeldern auf den Anhöhen über der Flussquerung zu finden ist.
Die ältesten Gräber auf dem Uhlenberg sind Steingräber aus der Jungsteinzeit. Vor einigen Jahren bescherte uns das Steingrab Boltersen-47 bei der Ausgrabung in Zusammenhang mit der Herrichtung des Buckelgräberfeldes eine faustdicke Überraschung. Anstelle einer Steinkammer hatte es eine hölzerne Grabkammer aus kräftigen Eichenbohlen gegeben. Solche Gräber gehören zu den frühesten dieser Zeit. Die Machart eines dem Toten mitgegebenen frühen Trichterbechers stellt das Grab 47 sogar ganz am Anfang des Megalithbaues in Niedersachsen (ca. 3700 vor Chr.!). Außerhalb des Langbettes wurden viele verzierte Tonscherben gefunden, die auf eine Ansiedlung vor Ort in etwas jüngerer Zeit hinweisen (um 3300 v. Chr.).
Zum Ende der Jungsteinzeit begann eine neue Zeit, die in der Bronzezeit fortdauerte. Selbstbewusste Bauern nahmen mit verbesserter Technik den Boden in Kultur und zeigten ihr gewachsenes Ansehen durch neue Bestattungsformen mit Einzelbestattungen in Grabhügeln. In den Särgen wurden die Zeichen ihrer Würde und ihres Wohlstands mitgegeben: für sich selbst Waffen wie der Streitaxt und später das Bronzeschwert, bei ihren Frauen eine Schmucktracht, die manchmal richtig teuer gewesen sein muss. Ein gutes Beispiel sind die Funde aus dem Grabhügel beim Neetzer Grillplatz: Im Männergrab lag ein bronzenes Kurzschwert, die Frauenbestattung fiel auf durch kostbare, goldene Ohrspiralen.
Am Uhlenberg, am Brummelberg, beim Kiebitzkamp und gegenüber Süttorf in Richtung Holzen entstanden richtige Hügelgräberfelder, die einen Hinweis auf die Lage der damaligen, kleinen Bauerngehöfte oder Einzelhöfe geben. Wasser, Wiesen und Ackerland sind stets in unmittelbarer Nähe anzutreffen. In den nachfolgenden Zeiten änderten sich mit der Verbrennung der Toten und der Beisetzung in Urnen die Begräbnissitten. Mehrere Urnenfunde beim Sportplatz zeigen die Anwesenheit von eisenzeitlichen Bauern im Bereich des alten Dorfkernes.
Die Welt änderte sich grundlegend, als auch Norddeutschland ins Visier des Römischen Imperiums geriet. Obwohl die Römer nach einigen Feldzügen von einer Eroberung Nordgermaniens Abstand nahmen, kamen die Länder doch unter starken wirtschaftlichen und kulturellen Einfluss der Weltmacht. Die Beerdigung der Toten seit dem dritten Jahrhundert n. Chr. unter kleinen Grabhügeln mit Kreisgräben auf dem Buckelgräberfeld am Uhlenberg geht wahrscheinlich auf Bräuche vom Niederrhein zurück, die die germanischen Söldner aus ihrer Dienstzeit an der Reichsgrenze mit nach Hause nahmen.
Im Verlauf der politischen Wirren der Völkerwanderungszeit bildete sich eine erbliche Adelsschicht heraus: die Vorfahren der aus den Quellen bekannten Billunger oder Bardonen. Das sächsische Gräberfeld auf dem Kronsberg bei Rullstorf mit den zahlreichen Reitergräbern legt von der Entstehung dieser neuen Elite besonders eindrucksvoll Zeugnis ab. In Neetze ist aus dieser Zeit eine schöne, importierte Augenperle aus Glas bei Gartenarbeiten gefunden. Hand in Hand mit der Kirche veränderte der Adel das Gesicht des Landes. Das Bauerndorf wurde um eine Kirche, eine Wassermühle und eine Ringwallburg mit Wassergraben erweitert. Die beiden ersten sind heute noch gut erhalten, die Burg ist eingeebnet und durch das Von Estorffsche Gut (Hof Cordes) ersetzt worden. Mit dem Bau einer Brücke am Mühlenwehr (und einer Gastwirtschaft gegenüber Mühle und Kirche) bekam der Ortskern Neetzes einen neuen Schwerpunkt. Jan Joost Assendorp
Abbildungen: Assendorp, Neetze
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